PER029

Das Wirken Johannes’ des Täufers

Der Artikel untersucht die Rolle Johannes’ des Täufers bei der Vorbereitung auf Jesu Kommen. In den Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas tauft und predigt Johannes in der Wüste Judäas. Als Wegbereiter Christi hat er nie behauptet, der Messias zu sein. Seine Lehren bereiteten das Volk darauf vor, Jesus, den königlichen Messias, zu empfangen.

8 Min. Johannes der Täufer Wirken Jesus Messias 6 Verse 6 Bücher

Siehe auch

Bibeltexte

Matthäus
Matthäus 3.1-12 ( 1912)

Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste des jüdischen Landes

und sprach: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Und er ist der, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat und gesprochen: “Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HERRN den Weg und macht richtig seine Steige!”

Er aber, Johannes, hatte ein Kleid von Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und wilder Honig.

Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan

und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.

Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen, sprach er zu ihnen: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?

Sehet zu, tut rechtschaffene Frucht der Buße!

Denket nur nicht, daß ihr bei euch wollt sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken.

Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker denn ich, dem ich nicht genugsam bin, seine Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Und er hat seine Wurfschaufel in der Hand: er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer.

Markus
Markus 1.1-8 ( 1912)

Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes,

wie geschrieben steht in den Propheten: “Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der da bereite deinen Weg vor dir.”

“Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des HERRN, macht seine Steige richtig!”

Johannes, der war in der Wüste, taufte und predigte von der Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und die von Jerusalem und ließen sich alle von ihm taufen im Jordan und bekannten ihre Sünden.

Johannes aber war bekleidet mit Kamelhaaren und mit einem ledernen Gürtel um seine Lenden, und aß Heuschrecken und wilden Honig;

und er predigte und sprach: Es kommt einer nach mir, der ist stärker denn ich, dem ich nicht genugsam bin, daß ich mich vor ihm bücke und die Riemen seiner Schuhe auflöse.

Ich taufe euch mit Wasser; aber er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Lukas
Lukas 3.1-18 ( 1912)

In dem fünfzehnten Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberius, da Pontius Pilatus Landpfleger in Judäa war und Herodes ein Vierfürst in Galiläa und sein Bruder Philippus ein Vierfürst in Ituräa und in der Gegend Trachonitis und Lysanias ein Vierfürst zu Abilene,

da Hannas und Kaiphas Hohepriester waren: da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, des Zacharias Sohn, in der Wüste.

Und er kam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung Sünden,

wie geschrieben steht in dem Buch der Reden Jesaja's, des Propheten, der da sagt: “Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des HERRN und macht seine Steige richtig!

Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel erniedrigt werden; und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden.

Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen.”

Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, daß sich von ihm Taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet?

Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße und nehmt euch nicht vor, zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.

Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen.

Und das Volk fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun?

Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, der tue auch also.

Es kamen auch die Zöllner, daß sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun?

Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist.

Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt noch Unrecht und laßt euch genügen an eurem Solde.

Als aber das Volk im Wahn war und dachten in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht Christus wäre,

antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, daß ich die Riemen seiner Schuhe auflöse; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.

In seiner Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheuer sammeln, und die Spreu wird er mit dem ewigen Feuer verbrennen.

Und viel anderes mehr ermahnte er das Volk und verkündigte ihnen das Heil.

Johannes
Johannes ( 1912) im Buch nicht erwähnt

Technische Details

Ort: Der Tempel von Jerusalem, dann die Wüste Judäas

Datum: Das Passahfest am Montag, dem 19. April 26 (Beginn des Wirkens Johannes’ des Täufers)

Vorgehensweise: Wir kehren zu Matthäus zurück

Hinweis zum Vorgehen: Matthäus ist das erste Evangelium

Karte zur Perikope 30
Karte zur Perikope 29

Johannes der Täufer ist eine wichtige Gestalt im Leben Jesu, des Messias.

Das Wirken Johannes’ des Täufers

Das Wirken Johannes’ des Täufers

Kommentar

Dank der Schriften des Propheten Daniel und der Angaben in den Evangelien können wir den Beginn des Wirkens Johannes’ des Täufers auf April des Jahres 26 schätzen. Diese Quellen legen nahe, dass er nach dem Tod seiner Eltern, die bei seiner Geburt bereits betagt waren, sein Elternhaus verließ, um sich in der Wüste Judäas niederzulassen.

Nach einigen Auslegungen ist es möglich, dass Johannes der Täufer bei den großen Festen in Jerusalem auf dem Tempelvorplatz zur Menge predigte. Gegen Ende seines Wirkens scheint Johannes der Täufer diese Pilgerreisen nach Jerusalem eingestellt zu haben; darauf werden wir im Folgenden näher eingehen. Sein Leben und seine Kleidung erinnerten seine Zeitgenossen an den großen Propheten Elija und warfen zahlreiche Fragen auf. Auf der Suche nach Antworten fanden ihn viele von ihnen predigend in der Gegend von Betanien jenseits des Jordans.

Matthäus berichtet uns, dass Johannes der Täufer sein Wirken in der Wüste Judäas begann, und der Apostel Johannes erklärt, dass er sich danach am Jordanufer in Betanien jenseits des Flusses niederließ und eine neue Taufe einführte. Während viele in ihm den Messias sehen, erklärt er eindeutig, dass sie sich irren und sein Wirken allein darin besteht, dessen baldiges Kommen vorzubereiten.

Diese Erklärung macht den großen Zulauf verständlich. Die Menschen glaubten, in ihm den Messias zu finden. So wurde er ganz natürlich zu dem, der in der Wüste rief und das Kommen des lange erwarteten und ersehnten Messias ankündigte. Er verkörperte den priesterlichen Messias, der dem königlichen Messias vorausgeht.

Es wäre falsch anzunehmen, dass der Erfolg Johannes’ des Täufers auf einer neuen Lehre beruhte. Seine Predigt gründete auf der Ankündigung des Kommens des königlichen Messias, Jesus. Dieser musste Johannes dem Täufer daher unbedingt begegnen.

Markus beginnt seinen Bericht mit Worten mehrerer Propheten, insbesondere Maleachi 3.1 und Jesaja 40.3. Dies ist der einzige Verweis auf Propheten in seinem Text, abgesehen von den direkten Zitaten Jesu.

Für Markus, den Verfasser des zweiten Evangeliums, beginnt alles mit dem Auftreten Johannes’ des Täufers. Er erwähnt Johannes vor allem deshalb, weil dieser Jesu Kommen ankündigte. Johannes der Täufer führt somit zur zentralen Gestalt des Markusberichts hin: Jesus, dem Messias.

Spannungen zwischen den Jüngern Johannes’ des Täufers und denen Jesu sind belegt (Johannes 3.25). Markus betont, dass sich die Aufgabe des Johannes darauf beschränkte, das Kommen dessen anzukündigen, der viel größer war als er: Jesus, der Messias.

So ordnet Markus jedem seinen Platz in der Heilsgeschichte zu. Indirekt stellt er den Jüngern Johannes’ des Täufers eine grundlegende Frage: Werden sie dem Diener folgen, der das Kommen des Meisters ankündigt, oder Jesus, dem einzigen und wahren Meister?

Lukas liefert uns als Einziger diese historischen Einzelheiten, die wesentlich sind, um die von ihm berichteten Ereignisse in den Zusammenhang der weltlichen Geschichte einzuordnen. Er möchte zeigen, dass sich die Chronologie des Lebens Jesu, des Messias, harmonisch in die Weltgeschichte einfügt.

Es gibt also keine zwei getrennten Zeitabläufe: den der Welt mit ihren Herrschern, Königen und Kaisern und den Jesu, des Messias. Es gibt eine einzige historische Wirklichkeit, in die sich der Messias ganz natürlich einfügt.

Lukas scheint über heute verlorene Dokumente verfügt zu haben. Die fast 2000 Jahre, die uns trennen, haben Belege verschwinden lassen, auf die Lukas seinen Text stützte. Das bedeutet jedoch nicht, dass seine Angaben Fehler enthalten, sei es bei Daten oder Namen.

Theophilus und die ersten Leser nahmen keinen Anstoß an diesen Verweisen, die sie kannten und damals noch überprüfen konnten. Im Gegenteil: Dies unterstreicht die Qualität der Nachforschungen des Lukas.

Die Genauigkeit dieser Angaben ermöglicht es, die Zuverlässigkeit der Schriften des Propheten Daniel zu bestätigen und eine Chronologie der berichteten Ereignisse aufzustellen. In den am Anfang dieses Abschnitts genannten Anhängen gehen wir näher auf diese Angaben ein.