Diese Studie ist ein Baustein unserer Untersuchung, die der Erstellung einer Chronologie des Lebens des Messias Jesus auf der Grundlage der Prophezeiung der siebzig Wochen Daniels gewidmet ist (Daniel 9.24-27). Sie ist im Zusammenhang mit den übrigen Studien dieser Reihe zu verstehen, die jeweils ergänzende historische, kalendarische und biblische Angaben beisteuern. Zusammen bilden diese Arbeiten eine in sich stimmige Analyse, die darauf abzielt, die Abfolge der in den Evangelien berichteten Ereignisse so genau wie möglich zu rekonstruieren.
Die Chronologie des Lebens Jesu ist ein zentrales Thema der neutestamentlichen Exegese und der Geschichte des Judentums im 1. Jahrhundert. Sie liegt an der Schnittstelle mehrerer Disziplinen — Geschichte, Textanalyse und antike Astronomie — und ist daher nach wie vor ein viel diskutiertes Thema. Zwar bieten die Evangelien eine Reihe chronologischer Anhaltspunkte, doch hängt deren Auslegung eng vom gewählten methodischen Rahmen ab.
In diesem Zusammenhang nimmt die Prophezeiung der siebzig Wochen eine besondere Stellung ein. Sie entwirft eine zeitliche Struktur, die auf das Erscheinen und das Verschwinden des „Messias“ ausgerichtet ist (Daniel 9.24-27 ; Daniel 9.26). Die vorliegende Studie will ihre Auslegung neu betrachten, indem sie sie mit den Angaben der Evangelien verknüpft, um eine stimmige Chronologie der wichtigsten Ereignisse im Leben Jesu zu erstellen.
Geht man vom Erlass des Artaxerxes (Esra 7.8-9) aus und berücksichtigt die kalendarischen Vorgaben des antiken Judentums, so führt diese Untersuchung dazu, die Kreuzigung auf den 1. April 33 und die Auferstehung auf den 3. April 33 zu legen.
Dieser Vorschlag lässt sich jedoch nicht ohne eine gründliche Auseinandersetzung mit den konkurrierenden Hypothesen beurteilen, insbesondere mit derjenigen, die die Kreuzigung ins Jahr 30 legt. Die kritische Prüfung dieser Datierung macht die Spannungen deutlich, die sie zu den von Lukas berichteten historischen Synchronismen erzeugt (Lukas 3.1-2). Eine ausführliche Erörterung dieser Debatte findet sich im Anhang (ANN045 : Debatte über das Datum des Todes Jesu).

Das Ziel dieser Studie ist daher ein doppeltes:
1- eine chronologische Rekonstruktion vorzuschlagen, die auf den inneren Angaben der Schrift beruht;
2- die wichtigsten Hypothesen der historischen Forschung kritisch zu bewerten.
Die gesamte Analyse legt nahe, dass die Datierung auf das Jahr 33 die größere Stimmigkeit zwischen der prophetischen Struktur, den Berichten der Evangelien und dem historischen Rahmen des 1. Jahrhunderts aufweist.
Hinweis zu den Anhängen
Bestimmte technische Herleitungen, insbesondere jene zu den kalendarischen Berechnungen, zur Chronologie Herodes’ des Großen und zur Debatte zwischen den Jahren 30 und 33, wurden in Anhängen ausgeführt, um den Haupttext zu entlasten. Der Leser kann dort eine ausführliche Analyse der behandelten Punkte nachlesen.