PER138

Das Gleichnis vom Sämann

Der Artikel untersucht das von Jesus verkündete Gleichnis vom Sämann. Er vergleicht die Berichte von Matthäus, Markus und Lukas, die sich jeweils an ihre Zuhörer anpassen. Außerdem behandelt er Jesu Gebrauch von Gleichnissen und seine Vorgehensweise bei der Vermittlung seiner Botschaft an große Menschenmengen und verweist zur Vertiefung auf Anhänge.

9 min Gleichnis Sämann Lehren Jesu 8 Verse 3 Bücher

Weiterführende Lektüre

Bibeltexte

Matthäus
Matthäus 13.1-23 ( 1912)

An demselben Tage ging Jesus aus dem Hause und setzte sich an das Meer.

Und es versammelte sich viel Volks zu ihm, also daß er in das Schiff trat und saß, und alles Volk stand am Ufer.

Und er redete zu ihnen mancherlei durch Gleichnisse und sprach: Siehe, es ging ein Säemann aus, zu säen.

Und indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel und fraßen's auf.

Etliches fiel in das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und ging bald auf, darum daß es nicht tiefe Erde hatte.

Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und dieweil es nicht Wurzel hatte, ward es dürre.

Etliches fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen auf und erstickten's.

Etliches fiel auf gutes Land und trug Frucht, etliches hundertfältig, etliches sechzigfältig, etliches dreißigfältig.

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Und die Jünger traten zu ihm und sprachen: Warum redest du zu ihnen durch Gleichnisse?

Er antwortete und sprach: Euch ist es gegeben, daß ihr das Geheimnis des Himmelreichs verstehet; diesen aber ist es nicht gegeben.

Denn wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen was er hat.

Darum rede ich zu ihnen durch Gleichnisse. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht, und mit hörenden Ohren hören sie nicht; denn sie verstehen es nicht.

Und über ihnen wird die Weissagung Jesaja's erfüllt, die da sagt: “Mit den Ohren werdet ihr hören, und werdet es nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen, und werdet es nicht verstehen.

Denn dieses Volkes Herz ist verstockt, und ihre Ohren hören übel, und ihre Augen schlummern, auf daß sie nicht dermaleinst mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, daß ich ihnen hülfe.”

Aber selig sind eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören.

Wahrlich ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr sehet, und haben's nicht gesehen, und zu hören, was ihr höret, und haben's nicht gehört.

So hört nun ihr dieses Gleichnis von dem Säemann:

Wenn jemand das Wort von dem Reich hört und nicht versteht, so kommt der Arge und reißt hinweg, was da gesät ist in sein Herz; und das ist der, bei welchem an dem Wege gesät ist.

Das aber auf das Steinige gesät ist, das ist, wenn jemand das Wort hört und es alsbald aufnimmt mit Freuden;

aber er hat nicht Wurzel in sich, sondern ist wetterwendisch; wenn sich Trübsal und Verfolgung erhebt um des Wortes willen, so ärgert er sich alsbald.

Das aber unter die Dornen gesät ist, das ist, wenn jemand das Wort hört, und die Sorge dieser Welt und der Betrug des Reichtums erstickt das Wort, und er bringt nicht Frucht.

Das aber in das gute Land gesät ist, das ist, wenn jemand das Wort hört und versteht es und dann auch Frucht bringt; und etlicher trägt hundertfältig, etlicher aber sechzigfältig, etlicher dreißigfältig.

Markus
Markus 4.1-20 ( 1912)

Und er fing abermals an, zu lehren am Meer. Und es versammelte sich viel Volks zu ihm, also daß er mußte in ein Schiff treten und auf dem Wasser sitzen; und alles Volk stand auf dem Lande am Meer.

Und er predigte ihnen lange durch Gleichnisse; und in seiner Predigt sprach er zu ihnen:

Höret zu! Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen.

Und es begab sich, indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel unter dem Himmel und fraßen's auf.

Etliches fiel in das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und ging bald auf, darum daß es nicht tiefe Erde hatte.

Da nun die Sonne aufging, verwelkte es, und dieweil es nicht Wurzel hatte verdorrte es.

Und etliches fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen empor und erstickten's, und es brachte keine Frucht.

Und etliches fiel auf ein gutes Land und brachte Frucht, die da zunahm und wuchs; etliches trug dreißigfältig und etliches sechzigfältig und etliches hundertfältig.

Und er sprach zu ihnen: Wer Ohren hat, zu hören, der höre!

Und da er allein war, fragten ihn um dies Gleichnis, die um ihn waren, mitsamt den Zwölfen.

Und er sprach zu ihnen: Euch ist's gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes zu wissen; denen aber draußen widerfährt es alles nur durch Gleichnisse,

auf daß sie es mit sehenden Augen sehen, und doch nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören, und doch nicht verstehen, auf daß sie sich nicht dermaleinst bekehren und ihre Sünden ihnen vergeben werden.

Und er sprach zu ihnen: Verstehet ihr dies Gleichnis nicht, wie wollt ihr denn die andern alle verstehen?

Der Sämann sät das Wort.

Diese sind's aber, die an dem Wege sind: Wo das Wort gesät wird und sie es gehört haben, so kommt alsbald der Satan und nimmt weg das Wort, das in ihr Herz gesät war.

Also auch die sind's, bei welchen aufs Steinige gesät ist: wenn sie das Wort gehört haben, nehmen sie es alsbald mit Freuden auf,

und haben keine Wurzel in sich, sondern sind wetterwendisch; wenn sich Trübsal oder Verfolgung um des Wortes willen erhebt, so ärgern sie sich alsbald.

Und diese sind's, bei welchen unter die Dornen gesät ist: die das Wort hören,

und die Sorgen dieser Welt und der betrügerische Reichtum und viele andere Lüste gehen hinein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht.

Und diese sind's, bei welchen auf ein gutes Land gesät ist: die das Wort hören und nehmen's an und bringen Frucht, etliche dreißigfältig und etliche sechzigfältig und etliche hundertfältig.

Lukas
Lukas 8.4-15 ( 1912)

Da nun viel Volks beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis:

Es ging ein Säemann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel etliches an den Weg und ward zertreten und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.

Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrte es, darum daß es nicht Saft hatte.

Und etliches fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.

Und etliches fiel auf ein gutes Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat, zu hören, der höre!

Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen, was dies Gleichnis wäre?

Er aber sprach: Euch ist es gegeben, zu wissen das Geheimnis des Reiches Gottes; den andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören.

Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes.

Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden.

Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zur Zeit der Anfechtung fallen sie ab.

Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören und gehen hin unter den Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens und ersticken und bringen keine Frucht.

Das aber auf dem guten Land sind, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Johannes
Johannes ( 1912) im Buch nicht erwähnt

Technische Einzelheiten

Balkendiagramm zum Jahr 31

Ort: Eine kleine Bucht am Ufer des Sees von Tiberias, nahe Kapernaum in Galiläa.

Datum: Oktober oder November 31

Vorgehen: Wir fahren mit Markus fort

Anmerkung zur Vorgehensweise: Obwohl Matthäus und Lukas dasselbe Thema behandeln, scheint uns die von Markus dargestellte zeitliche Abfolge am leichtesten nachvollziehbar zu sein.

Kapernaum

Der Messias Jesus wird ein neues erzählen, in dessen Mittelpunkt ein Sämann steht.

Das Gleichnis vom Sämann

Der Sämann

Kommentare

Der Messias Jesus verlässt das Haus, das er in Kapernaum bewohnte, und geht zum (See von Tiberias). Als er die große Menschenmenge sieht, beschließt er, in ein Boot zu steigen, um sich frei bewegen zu können.

Matthäus und Markus erklären, dass die Menschenmenge am Ufer blieb, während der Messias Jesus begann, sie in verschiedenen Gleichnissen zu lehren. Das verwunderte die Jünger, vermutlich die Apostel (Markus 4.10), die ihn fragten, warum er diese Art von Sprache verwendete (Matthäus 13.10). Sie hatten Schwierigkeiten, dieses zu verstehen, und baten den Meister daher um Erklärungen (Markus 4.10; Lukas 8.9-10).

Die drei Verfasser geben dieselbe, recht rätselhafte Antwort wieder. Wir behandeln dieses Thema ausführlich im Anhang ANN078: Die Gleichnisse sowie in der Studie über die PAR001: Der Sämann.

Bemerkenswert ist, dass Matthäus, Markus und Lukas denselben Abschnitt aufnehmen. Dieses markiert einen Übergang in der Lehre Jesu Christi. Besonders bei Matthäus folgt es auf Kapitel 12, das die Verschlechterung der Beziehungen zu den religiösen Autoritäten deutlich zeigt.

Wir stellen geringfügige Unterschiede zwischen den drei Fassungen dieses Berichts fest.

Matthäus richtet sich hauptsächlich an jüdische Zuhörer und betont daher das Verstehen und das Himmelreich. Er erläutert das ausführlicher und hebt dabei die Reaktion der verschiedenen Bodenarten hervor.
Markus wendet sich an ein Publikum und verwendet einen direkteren und knapperen Stil, der oft auf Handlung und Unmittelbarkeit ausgerichtet ist. Einige ausführlichere Erklärungen bei Matthäus entfallen, wodurch der Bericht des Markus kürzer und prägnanter wird.

Lukas richtet sich an griechische Leser und hebt die Reaktion auf das Wort Gottes sowie die Antwort der Zuhörer hervor. Er betont besonders, wie wichtig es ist, aufmerksam zuzuhören und das göttliche Wort richtig zu verstehen.
Jeder Evangelist passt seinen Bericht an seine Zielgruppe und seinen besonderen Zusammenhang an. Die sprachlichen und stilistischen Unterschiede zeugen von den unterschiedlichen Absichten und Anliegen der Verfasser.

Wir empfehlen Ihnen, den Anhang ANN078: Die Gleichnisse zu lesen, um die Gründe für den Wechsel in der Vorgehensweise des Messias Jesus zu verstehen.

Es ist auch sinnvoll zu fragen, wie Jesus eine große Menschenmenge wirksam erreichen konnte. Diese Frage wird im Anhang ANN050: Wie sich der Messias Jesus Gehör verschaffte. ausführlich behandelt.

Die akustischen Möglichkeiten bestimmter kleiner Buchten am Wasser bieten eine passende Antwort auf diese Frage.

Die synoptischen Evangelien überliefern übereinstimmend einen Bericht, der in zwei getrennte Teile gegliedert ist.
Zunächst wird dieses öffentlich verkündet. Anschließend folgt eine Erklärung im privaten Kreis, nachdem die Menschenmenge gegangen ist. Wahrscheinlich vermittelte der Messias Jesus auch weitere Lehren und heilte Kranke.

D'après Markus 4.10, le Messie Jésus a exposé la signification de la à ses disciples en privé, après le départ de la foule. L'absence d'accès de la foule à cette explication est précisée dans l'annexe ANN078 : Les paraboles.

Es wäre nicht sinnvoll, eine solche Menschenmenge nur für einige wenige Worte zusammenzurufen. Wahrscheinlich wurden bei dieser großen Versammlung auch die anderen von Matthäus erwähnten Gleichnisse über das Reich Gottes erzählt.

Es ist denkbar, dass einige Abschnitte der Seligpreisungen an diesem Ort verkündet wurden. Die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes haben Abschnitte nach gemeinsamen Themen geordnet, um das Verständnis zu erleichtern. Dabei ist zu beachten, dass diese Verfasser die wiedergegebenen Reden gekürzt haben.

Es ist wesentlich, den Gedanken der fruchtbringenden Saat mit dem Reich Gottes zu verbinden. Diese Beziehung betrifft das von Jesus verkündete Wort, das von Mensch zu Mensch unterschiedlich aufgenommen wird.

Comprendre le sens demande une réflexion approfondie. Par conséquent, il est nécessaire de fournir un effort continu pour extraire l'essence du message. La incite à une analyse précise pour identifier les éléments importants.

Matthäus hat die Auslegung des Meisters ausführlich wiedergegeben, doch bleibt dies selten, da viele Gleichnisse ohne Erklärung bleiben. Auch Markus und Lukas erwähnen diese Auslegung, allerdings kürzer (PER146 Abendliche Erklärungen zu verschiedenen Gleichnissen, insbesondere zum Gleichnis vom Unkraut).