PER255

Heilung eines Blindgeborenen

Dieser Artikel untersucht die Heilung eines Blindgeborenen durch Jesus in Jerusalem (Johannes 9.1-34). Die Erzählung hebt die theologische Tiefe des Ereignisses hervor und verbindet die jüdischen Feste sinnbildlich mit der Sendung Jesu als Licht der Welt. Die Heilung betont die geistliche und prophetische Botschaft des Evangeliums nach Johannes.

12 min Heilung Jesus Blindgeboren Johannes 9 15 Verse 1 Buch

Weiterführende Lektüre

Bibeltexte

Matthäus
Matthäus ( 1912) im Buch nicht erwähnt
Markus
Markus ( 1912) im Buch nicht erwähnt
Lukas
Lukas ( 1912) im Buch nicht erwähnt
Johannes
Johannes 9.1-34 ( 1912)

Und Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war.

Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren?

Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern daß die Werke Gottes offenbar würden an ihm.

Ich muß wirken die Werke des, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.

Dieweil ich bin in der Welt, bin ich das Licht der Welt.

Da er solches gesagt, spützte er auf die Erde und machte einen Kot aus dem Speichel und schmierte den Kot auf des Blinden Augen

und sprach zu ihm: Gehe hin zu dem Teich Siloah (das ist verdolmetscht: gesandt) und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend.

Die Nachbarn und die ihn zuvor gesehen hatten, daß er ein Bettler war, sprachen: Ist dieser nicht, der dasaß und bettelte?

Etliche sprachen: Er ist's, etliche aber: er ist ihm ähnlich. Er selbst aber sprach: Ich bin's.

Da sprachen sie zu ihm: Wie sind deine Augen aufgetan worden?

Er antwortete und sprach: Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Kot und schmierte meine Augen und sprach: “Gehe hin zu dem Teich Siloah und wasche dich!” Ich ging hin und wusch mich und ward sehend.

Da sprachen sie zu ihm: Wo ist er? Er sprach: Ich weiß nicht.

Da führten sie ihn zu den Pharisäern, der weiland blind war.

(Es war aber , da Jesus den Kot machte und seine Augen öffnete.)

Da fragten ihn abermals auch die Pharisäer, wie er wäre sehend geworden. Er aber sprach zu ihnen: Kot legte er mir auf die Augen, und ich wusch mich und bin nun sehend.

Da sprachen etliche der Pharisäer: Der Mensch ist nicht von Gott, dieweil er den nicht hält. Die andern aber sprachen: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es ward eine Zwietracht unter ihnen.

Sie sprachen wieder zu dem Blinden: Was sagst du von ihm, daß er hat deine Augen aufgetan? Er aber sprach: Er ist ein Prophet.

Die Juden glaubten nicht von ihm, daß er blind gewesen und sehend geworden wäre, bis daß sie riefen die Eltern des, der sehend war geworden,

fragten sie und sprachen: Ist das euer Sohn, von welchem ihr sagt, er sei blind geboren? Wie ist er denn nun sehend?

Seine Eltern antworteten ihnen und sprachen: Wir wissen, daß dieser unser Sohn ist und daß er blind geboren ist;

wie er aber nun sehend ist, wissen wir nicht; oder wer ihm hat seine Augen aufgetan, wissen wir auch nicht. Er ist alt genug, fraget ihn, laßt ihn selbst für sich reden.

Solches sagten seine Eltern; denn sie fürchteten sich vor den Juden. Denn die Juden hatten sich schon vereinigt, so jemand ihn für Christus bekennte, daß er in den Bann getan würde.

Darum sprachen seine Eltern: er ist alt genug, fraget ihn selbst.

Da riefen sie zum andernmal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist.

Er antwortete und sprach: Ist er ein Sünder, das weiß ich nicht; eines weiß ich wohl, daß ich blind war und bin nun sehend.

Da sprachen sie wieder zu ihm: Was tat er dir? Wie tat er deine Augen auf?

Er antwortete ihnen: Ich habe es euch jetzt gesagt; habt ihr's nicht gehört? Was wollt ihr's abermals hören? Wollt ihr auch seine Jünger werden?

Da schalten sie ihn und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind Mose's Jünger.

Wir wissen, daß Gott mit Mose geredet hat; woher aber dieser ist, wissen wir nicht.

Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Das ist ein wunderlich Ding, daß ihr nicht wisset, woher er sei, und er hat meine Augen aufgetan.

Wir wissen aber, daß Gott die Sünder nicht hört; sondern so jemand gottesfürchtig ist und tut seinen Willen, den hört er.

Von der Welt an ist's nicht erhört, daß jemand einem geborenen Blinden die Augen aufgetan habe.

Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun.

Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünde geboren, und lehrst uns? Und stießen ihn hinaus.

Technische Einzelheiten

Jahr 32

Ort: Jerusalem in Judäa

Datum: vom 15. Dezember bis zum 23. Dezember des Jahres 32

Vorgehensweise: Wir wechseln nun zu Johannes

Anmerkung zur Vorgehensweise: Johannes ist der Einzige, der die Heilung dieses Mannes berichtet

Reise nach Betanien

Johannes erzählt nun die Geschichte eines Mannes, der blind geboren wurde.

Heilung eines Blindgeborenen

Der Blindgeborene

Zeitlicher Zusammenhang: das Laubhüttenfest

Die Heilung des Blindgeborenen in Johannes 9.1-34 findet in Jerusalem statt, wahrscheinlich nahe beim . Der enge Zusammenhang dieser Heilung mit dem Laubhüttenfest legt nahe, dass sie während dieses Festes geschah, als sich der Messias Jesus in Jerusalem aufhielt (PER206), im Oktober 32 n. Chr.

Nun deutet nichts darauf hin, dass der Messias Jesus Heilungen in unmittelbarem Zusammenhang mit den gegenwärtigen Ereignissen vollbrachte. Wir können uns kaum vorstellen, dass der Messias Jesus seine Heilungen nach dem Fest ausrichtete, bei dem er sich gerade befand.

Deshalb glauben wir, dass Johannes hier Ereignisse zusammenstellt, die eher einer Logik als einer Chronologie folgen. So kann diese Heilung sehr wohl nach dem Laubhüttenfest stattgefunden haben, zwischen Oktober und Dezember 32 n. Chr.

Der Messias Jesus passte seine Reden dem jeweiligen Fest an, um der Geschichte ihre wahre Bedeutung zu verleihen, im Zusammenhang mit dem prophetischen Sinn, wie wir erwähnt haben.

Es ist aber kein Zufall, dass Johannes diese Rede hier einfügt und ihr so einen unbestreitbaren Sinn prophetischer Erfüllung verleiht.

Dieser Zusammenhang ist wesentlich, um die symbolische und theologische Tragweite der Erzählung zu verstehen.

Geografische Lage: Jerusalem und der (Johannes 9.7)

Ausgangsort: Der Messias Jesus begegnet dem Blinden im Vorübergehen, wahrscheinlich in den Straßen Jerusalems, wo sich die Bettler niederließen, um um Almosen zu bitten.

Heilungsakt: Der Messias Jesus macht mit seinem einen Teig aus Erde, streicht ihn auf die Augen des Mannes und sagt ihm dann, er solle sich im (Johannes 9.7) waschen.

Bedeutung des Ortes: Der Name Siloah bedeutet „gesandt“, was die Verbindung zum Messias Jesus, dem vom Vater Gesandten, unterstreicht. Dieser Teich lag südlich von Jerusalem, wurde durch den Hiskia-Tunnel gespeist und für rituelle Waschungen genutzt.

Zeitlicher Zusammenhang: das Laubhüttenfest

Die Erzählung schließt an Johannes 7.8-9 und Johannes 7.14 an, wo der Messias Jesus während des Laubhüttenfestes (Sukkot) im Tempel lehrt, einer Feier, die von den Symbolen Licht und Wasser geprägt ist.

Der Messias Jesus erklärt:

Johannes 8.12 ( 1912) :
Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wir das Licht des Lebens haben.

Diese Erklärung wird in Johannes 9.1-34 in die Tat umgesetzt, wo er einem Blinden die Augen öffnet und so seine Sendung als Licht veranschaulicht.

Die Erzählung von Johannes 9.1-34 steht in einer Handlungsfolge, die mit dem Laubhüttenfest (Johannes 7.2) beginnt und bis zum (Johannes 10.22) reicht. Das legt nahe, dass Johannes 9.1-34 zwischen diesen beiden Festen stattfindet, sehr wahrscheinlich kurz vor dem , im gleichen geografischen Rahmen: Jerusalem.

Erzählerischer und theologischer Zusammenhang

Streit über die Sünde: Die Jünger fragen, ob der Blinde für seine eigenen Sünden oder die seiner Eltern bestraft wird. Der Messias Jesus weist diese Strafslogik zurück und erklärt, es geschehe, damit die Werke Gottes offenbar werden.

Auseinandersetzung mit den : Nach der Heilung wird der Mann mehrmals von den religiösen Autoritäten befragt, die dem Wunder nicht glauben wollen und den Messias Jesus ablehnen.

Geistlicher Fortschritt: Der Blinde gelangt von der körperlichen Heilung zu einer geistlichen Offenbarung und bekennt seinen Glauben an Jesus als Sohn Gottes (Johannes 9.38).

Zusammengefasst

Ort: Jerusalem, nahe beim .

Zeit: zwischen dem Laubhüttenfest (Johannes 7.32) und dem Fest der Tempelweihe; nach unserer Analyse ereignet sich dies kurz vor Letzterem (Johannes 10.22).

Zentrales Thema: Der Messias Jesus, das Licht der Welt, heilt einen Blindgeborenen, um die Macht Gottes zu offenbaren und die geistliche Blindheit der Religiösen anzuprangern.