PER154

Die Heilung der Frau mit Blutungen

Die Perikope 154 berichtet von der Heilung einer Frau, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt, wie es Matthäus, Markus und Lukas überliefern. In Kafarnaum berührt sie unauffällig das Gewand Jesu, der auf dem Weg zum Haus des Jaïrus ist. Sie wird augenblicklich geheilt und von Jesus öffentlich erkannt, der erklärt: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Der Artikel vergleicht die drei synoptischen Berichte und untersucht die theologische, christologische und soziale Tragweite dieses Glaubenswunders.

8 Min. Heilung Frau mit Blutungen Glaube Wunder rituelle Reinheit 7 Verse 4 Bücher

Weiterführende Lektüre

Bibeltexte

Matthäus
Matthäus 9.20-22 ( 1912)

Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm und rührte seines Kleides Saum an.

Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund.

Da wandte sich Jesus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter; dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselben Stunde.

Markus
Markus 5.24-34 ( 1912)

Und er ging hin mit ihm; und es folgte ihm viel Volks nach, und sie drängten ihn.

Und da war ein Weib, das hatte den Blutgang zwölf Jahre gehabt

und viel erlitten von vielen Ärzten und hatte all ihr Gut darob verzehrt, und half ihr nichts, sondern vielmehr ward es ärger mit ihr.

Da die von Jesu hörte, kam sie im Volk von hintenzu und rührte sein Kleid an.

Denn sie sprach: Wenn ich nur sein Kleid möchte anrühren, so würde ich gesund.

Und alsbald vertrocknete der Brunnen ihres Bluts; und sie fühlte es am Leibe, daß sie von ihrer Plage war gesund geworden.

Und Jesus fühlte alsbald an sich selbst die Kraft, die von ihm ausgegangen war, und wandte sich um zum Volk und sprach: Wer hat meine Kleider angerührt?

Und die Jünger sprachen zu ihm: Du siehst, daß dich das Volk drängt, und sprichst: Wer hat mich angerührt?

Und er sah sich um nach der, die das getan hatte.

Das Weib aber fürchtete sich und zitterte (denn sie wußte, was an ihr geschehen war), kam und fiel vor ihm nieder und sagte die ganze Wahrheit.

Er sprach aber zu ihr; Meine Tochter, Dein Glaube hat dich gesund gemacht; gehe hin mit Frieden und sei gesund von deiner Plage!

Lukas
Lukas 8.43-48 ( 1912)

Und ein Weib hatte den Blutgang zwölf Jahre gehabt; die hatte alle ihre Nahrung an die Ärzte gewandt, und konnte von niemand geheilt werden;

die trat hinzu von hinten und rührte seines Kleides Saum an; und alsobald stand ihr der Blutgang.

Und Jesus sprach: Wer hat mich angerührt? Da sie aber alle leugneten, sprach Petrus und die mit ihm waren: Meister, das Volk drängt und drückt dich, und du sprichst: Wer hat mich angerührt?

Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich fühle, daß eine Kraft von mir gegangen ist.

Da aber das Weib sah, daß es nicht verborgen war, kam sie mit Zittern und fiel vor ihm nieder und verkündigte vor allem Volk, aus welcher Ursache sie ihn hätte angerührt und wie sie wäre alsbald gesund geworden.

Er aber sprach zu ihr: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Gehe hin mit Frieden!

Johannes
Johannes ( 1912) im Buch nicht erwähnt

Technische Einzelheiten

Jahr 32

Ort: Kafarnaum in Galiläa

Datum: Februar oder März 32 n. Chr.

Vorgehen: Wir fahren mit Markus fort

Anmerkung zur Vorgehensweise: Die Chronologie des Markus scheint die wahrscheinlichste zu sein

Karte von Kapernaum

Der Messias Jesus folgt Jaïrus, aber eine Frau wird ihn unterbrechen.

Die Heilung der Frau mit Blutungen

Die Frau mit dem Blutfluss

Matthäus 9.20-22

Diese Frau litt seit zwölf Jahren an chronischen Blutungen, was sie nicht nur körperlich krank machte, sondern aufgrund der Reinheitsgesetze des Alten Testaments auch sozial an den Rand drängte (3. Mose 15.25-27). Es liegt auf der Hand, dass Petrus mit dieser Frau gesprochen hat, denn die Einzelheiten, die er im Bericht des Markus liefert, hätten nicht allein durch die Beobachtung des Wunders bekannt sein können.

Markus stützte sich beim Verfassen seines Evangeliums auf die Erinnerungen des Apostels Petrus.

Als der Messias Jesus durch die dichte Menschenmenge zum Haus des Jaïrus ging, näherte sie sich unauffällig und berührte den Saum seines Gewandes. Sie dachte bei sich: „Wenn ich nur sein Gewand berühre, werde ich gesund.“ In dem Augenblick, als sie das Gewand Jesu berührte, wurde sie auf der Stelle geheilt.

Der Messias Jesus aber spürte, wie eine Kraft von ihm ausging, wandte sich der Frau zu und sagte zu ihr: „Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dich geheilt.“ Dieses Wunder zeigt nicht nur die Kraft des Messias Jesus zu heilen, sondern auch die Bedeutung von Glauben und Beharrlichkeit.

Dieses Wunder wird oft als Beispiel für das unendliche Mitleid des Messias Jesus und für die Kraft des Glaubens angeführt. Es zeigt, dass der Glaube selbst in aussichtslosen Situationen Wunder wirken kann.

Zwischen den Berichten über die Heilung der blutflüssigen Frau in den Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas gibt es einige feine Unterschiede. Hier ein Überblick über die Abweichungen:

Matthäus 9.20-22

Beschreibung: Matthäus gibt eine knappe Fassung des Geschehens.

Interaktion: Die Frau berührt den Saum des Gewandes Jesu und wird sofort geheilt.

Dialog: Jesus wendet sich um und sagt zu ihr: „Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dich geheilt.“

Schwerpunkt: Matthäus konzentriert sich auf den Glaubensakt der Frau und die sofortige Heilung.

Markus 5.25-34

Beschreibung: Markus gibt eine ausführlichere Beschreibung der Lage der Frau und ihres Leidens.

Interaktion: Die Frau berührt das Gewand Jesu, spürt sofort ihre Heilung, und Jesus spürt, dass eine Kraft von ihm ausgegangen ist.

Dialog: Jesus fragt: „Wer hat meine Kleider berührt?“ Die Jünger und die Menge reagieren, und die Frau gesteht zitternd. Jesus sagt dann zu ihr: „Meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden und sei geheilt von deiner Plage.“

Schwerpunkt: Markus betont die Kraft Jesu und die ehrfürchtige Furcht der Frau.

Lukas 8.43-48

Beschreibung: Auch Lukas hebt die Einzelheiten der Krankheit der Frau hervor und erwähnt, dass sie bei keinem Arzt Heilung gefunden hatte.

Interaktion: Die Frau berührt das Gewand Jesu und wird sofort geheilt. Jesus spürt, dass eine Kraft von ihm ausgegangen ist, und fragt die Menge, wer ihn berührt hat.

Dialog: Wie bei Markus fragt Jesus: „Wer hat mich berührt?“ Petrus antwortet, und die Frau gesteht vor allen. Jesus sagt dann zu ihr: „Meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden.“
Schwerpunkt: Lukas hebt die öffentliche Anerkennung der Heilung und die Bedeutung des Glaubens hervor.

Wesentliche Unterschiede

Einzelheiten der Krankheit: Markus und Lukas liefern mehr Einzelheiten über die Dauer und das Leiden der Krankheit der Frau.

Reaktionen: Die Dialoge und Interaktionen mit Jesus unterscheiden sich leicht, besonders die Reaktion Jesu und die Art, wie er die Frau erkennt.

Blickwinkel: Jeder Evangelist hebt andere Aspekte hervor, etwa den Glauben der Frau (Matthäus), die Kraft Jesu (Markus) und die öffentliche Anerkennung (Lukas).

Diese Abweichungen zeigen die verschiedenen Blickwinkel der Evangelisten, die jeweils bestimmte Aspekte des Geschehens und seiner geistlichen Bedeutung beleuchten.