Das Wirken des Heiligen Geistes in Apostelgeschichte 4.31 ist besonders interessant, denn es unterscheidet sich von dem, das an Pfingsten in Apostelgeschichte 2.1-4 beschrieben wird. Lukas schreibt:
„Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und verkündigten das Wort Gottes mit Freimut“ (Apostelgeschichte 4.31).
Dieser Satz lässt drei Elemente unterscheiden.
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Ein äußeres Zeichen: das Beben der Stätte
Lukas berichtet, dass „die Stätte, wo sie versammelt waren, erbebte“. Dieses Geschehen erinnert an mehrere Offenbarungen der göttlichen Gegenwart im Alten Testament:
- der Berg Sinai bei der Gabe des Gesetzes (2. Mose 19.18);
- die Vision Jesajas, in der die Türen des Tempels erbebten (Jesaja 6.4);
- das Gebet Davids, in dem die Erde unter dem Wirken Gottes bebt (Psalmen 18.7).
Es handelt sich nicht notwendigerweise um ein natürliches Erdbeben, sondern um ein Zeichen, das zeigen soll, dass Gott das Gebet seines Volkes gnädig erhört.
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Eine neue Fülle des Heiligen Geistes
Lukas hält fest:
„Sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt“ (Apostelgeschichte 4.31).
Diese Gläubigen hatten den Geist bereits an Pfingsten empfangen (Apostelgeschichte 2.1-4). Diese erneute Erwähnung zeigt, dass die Fülle des Heiligen Geistes kein einmaliges und endgültiges Ereignis ist, sondern eine Erfahrung, die sich entsprechend den Bedürfnissen der Mission erneuert.
Auch Petrus, der an Pfingsten bereits vom Heiligen Geist erfüllt war, wird vor den Mitgliedern des erneut als „vom Heiligen Geist erfüllt“ beschrieben (Apostelgeschichte 4.8). Später wird Paulus eine ähnliche Erfahrung machen (Apostelgeschichte 13.9).
In der Apostelgeschichte bedeutet es im Allgemeinen, vom Heiligen Geist erfüllt zu sein, eine besondere Hilfe zu empfangen, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen.
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Die sichtbare Wirkung: Freimut im Zeugnis
Im Gegensatz zu Apostelgeschichte 2.4 erwähnt Lukas nicht:
- fremde Sprachen;
- sichtbare Flammen;
- ein Brausen vom Himmel.
Die unmittelbare Folge ist diese:
„Sie verkündigten das Wort Gottes mit Freimut“ (Apostelgeschichte 4.31).
Das griechische Wort Parrhesia bezeichnet Redefreiheit, Offenheit und Mut. Dieser Freimut ist hier die wichtigste Wirkung des Heiligen Geistes.
Wenige Tage zuvor hatten dieselben Jünger noch den Tod Jesu und die Drohungen des in Erinnerung. Nun setzen sie ihren Auftrag fort, ohne sich einschüchtern zu lassen, und erfüllen so die Verheißung Jesu:
„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein“ (Apostelgeschichte 1.8).
Eine andere Wirkung als an Pfingsten
Die Begebenheit in Apostelgeschichte 4.31 zeigt, dass man Zungenrede oder außergewöhnliche Phänomene nicht als den einzigen Beweis für die Gegenwart des Heiligen Geistes ansehen darf. In der Apostelgeschichte sind die Wirkungen je nach Umständen verschieden:
| Stelle | Wirkung |
| Apostelgeschichte 2.1-4 | Fremde Sprachen und Verkündigung |
| Apostelgeschichte 4.8 | Vom Geist eingegebene Rede des Petrus vor den Mitgliedern des |
| Apostelgeschichte 4.31 | Freimut und Mut in der Verkündigung |
| Apostelgeschichte 6.10 | Weisheit des Stephanus |
| Apostelgeschichte 13.9-11 | Vollmacht des Paulus gegenüber Elymas |
| Apostelgeschichte 13.52 | Freude und Ausdauer |
So ist nach Lukas die offensichtlichste Wirkung der Fülle des Heiligen Geistes nicht immer ein spektakuläres Phänomen, sondern die den Gläubigen geschenkte Fähigkeit, das Wort Gottes trotz Widerstand treu zu verkündigen. Die göttliche Antwort entspricht genau der Bitte im Gebet von Apostelgeschichte 4.29: Die Jünger hatten um Freimut gebeten, und genau diesen Freimut gewährt Gott ihnen.