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Der Antichrist oder der Geist des Antichristen

Der Antichrist nach der Schrift: Perspektiven von Daniel, Paulus und Johannes im Vergleich Die eingehende Untersuchung der Gestalt des Antichristen wurde bereits im Anhang durchgeführt…

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Der Antichrist oder der Geist des Antichristen

Der Antichrist nach der Schrift: Perspektiven von Daniel, Paulus und Johannes im Vergleich

Die eingehende Untersuchung der Gestalt des Antichristen wurde bereits in Anhang ANN122 durchgeführt: Der Geist des Antichristen. Wir beschränken uns hier darauf, die großen Linien und die wichtigsten Perspektiven dieser Arbeit darzulegen, ohne auf die Einzelheiten dieser Analyse einzugehen.

  1. Eine traditionell nach Daniel und Paulus identifizierte Gestalt

Die Identifizierung des Antichristen stützt sich meist auf die Beschreibungen von Daniel und Paulus. Nach diesen Texten handelt es sich um eine bestimmte Person, die genau umrissene Bedingungen erfüllen muss. Besonders Daniel kündigt an, dass ein Mann auftreten wird, der den ganzen Widerstand gegen Gott verkörpert: Er wird der Antichrist sein, die zentrale Gestalt der endzeitlichen Auflehnung gegen den Herrn.

  1. Der besondere Beitrag des Johannes: eine vielfältige und bereits gegenwärtige Wirklichkeit

Mehrere Texte des Johannes scheinen jedoch dieser einheitlichen Sichtweise zu widersprechen. Johannes bekräftigt nämlich, dass bereits mehrere Antichristen in der Welt am Werk sind, und er spricht von seiner eigenen Zeit, dem ersten Jahrhundert. Diese Sicht erweitert das Verständnis des Antichristen: Es geht nicht nur um ein zukünftiges, einzelnes Individuum, sondern um ein vielfältiges Phänomen und einen Geist, der durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch wirkt.

Alle Einzelheiten, die Johannes zu diesem Thema nennt, sind in der Notiz INF266: Die Antichristen nach Johannes zusammengefasst. Festzuhalten ist hier dennoch, dass sich nach ihm eines Tages ein Mann erheben wird, um sich Gott offen entgegenzustellen, und sich in dieser Welt durchsetzen wird, indem er eine Menge von Menschen in eine offene Auflehnung gegen den Herrn mit sich zieht. Diese Gestalt tritt nicht plötzlich und isoliert auf: Ihrem Kommen gehen andere, ähnliche Gestalten und Einflüsse voraus und bereiten es vor.

  1. Der Geist des Antichristen im Wirken durch die Geschichte

So haben, wie Johannes sagt, im Lauf der Menschheitsgeschichte bereits andere Antichristen gewirkt und sich gezeigt, die möglichst viele Menschen von Gott abbringen wollten. Man kann von einem regelrechten „Geist des Antichristen“ sprechen, der verschiedene Personen und Einflussnehmer antreibt, deren Ziel es ist, ihre Zeitgenossen von dem in Jesus Christus angebotenen Heil abzubringen.

  1. Lesart von Offenbarung 6.1-2: der erste Reiter

Aus dieser Sicht stellt der erste Reiter in Offenbarung 6.1-2 nicht den Antichristen persönlich dar, sondern den von Johannes beschriebenen Geist des Antichristen. Dieser Reiter versinnbildlicht jene Gestalten, die durch ihren Einfluss die Ablehnung Gottes fördern und sich dem Volk Gottes körperlich widersetzen, und zwar zuerst den Juden.