Lukas misst dem Gebet eine besondere Bedeutung bei, ein Aspekt, der in seinem Evangelium deutlich zutage tritt. Dieses Merkmal lässt sich wie folgt erklären:
Das Gebet Jesu: ein zentrales Element im Evangelium nach Lukas. Er ist der einzige Evangelist, der so regelmäßig und ausdrücklich hervorhebt, dass Jesus in den entscheidenden Momenten seines Lebens betet:
Bei seiner Taufe (Lukas 3.21) betet der Messias Jesus, und der Himmel öffnet sich.
Bevor er die zwölf Apostel auswählt (Lukas 6.12), verbringt er die ganze Nacht im Gebet.
Vor der Verklärung (Lukas 9.28) steigt er auf den Berg, um zu beten.
Bevor er das Vaterunser lehrt (Lukas 11.1), wird der Messias Jesus im Gebet gesehen, was die Bitte des Jüngers auslöst.
In Gethsemane (Lukas 22.41-44) beschreibt Lukas eindringlich das Gebet des Messias Jesus, seinen Schweiß wie Blut und den Engel, der ihn stärkt.
Am Kreuz (Lukas 23.34) betet Jesus für seine Peiniger: „Vater, vergib ihnen …“.
Diese Szenen fehlen in den anderen Evangelien oft oder sind dort weniger ausgeführt.
Lukas lehrt auch über das Gebet; er berichtet mehrere über das Gebet:
Der aufdringliche Freund (Lukas 11.5-8)
Die Witwe und der ungerechte Richter (Lukas 18.1-8)
Der und der Zöllner (Lukas 18.9-14)
Er betont Beharrlichkeit, Vertrauen und Demut im Gebet. Er zeigt, dass das Gebet im Mittelpunkt des Lebens des Jüngers und des Dienstes des Messias Jesus steht.
Warum diese Betonung?
Lukas wendet sich an ein breites, oft nichtjüdisches Publikum, um mehrere wichtige Aspekte hervorzuheben: Das Gebet steht allen offen und ist nicht auf religiöse Menschen beschränkt; es ist fester Bestandteil der Beziehung zu Gott und geht über den Rahmen eines bloßen Rituals hinaus. Außerdem wird Jesus als Vorbild im Gebet dargestellt, was über die Rolle eines Lehrers hinausgeht.