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Wie ist der Ausdruck bei Matthäus „was euch betrifft“ zu verstehen?

In Matthäus 28.5 sagt der Engel zu den Frauen: „Was euch betrifft, fürchtet euch nicht, denn ich weiß, dass ihr Jesus sucht, der gekreuzigt wurde…

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Wie ist der Ausdruck bei Matthäus „was euch betrifft“ zu verstehen?

In Matthäus 28.5 sagt der Engel zu den Frauen: „Was euch betrifft, fürchtet euch nicht, denn ich weiß, dass ihr Jesus sucht, der gekreuzigt wurde.“

Der Ausdruck „was euch betrifft“ (griechisch: ὑμεῖς, hymeïs, ein betontes Personalpronomen) ist ein bewusster und bedeutungsvoller Kontrast. Folgendes ist dabei zu verstehen:

Ein Kontrast zu den Wächtern

Kurz zuvor (V. 4) sind die Soldaten, die das Grab bewachten, vor Entsetzen gelähmt zu Boden gefallen, als sie den Engel sahen. Der Ausdruck „was euch betrifft“ stellt die Frauen unmittelbar den Wächtern gegenüber:

  • Die Wächter: starr vor Angst, unfähig zu reagieren, von dem Ereignis überwältigt.
  • Die Frauen: Der Engel richtet sich auch an sie, aber auf ganz andere Weise — in Zuspruch und freudiger Verkündigung.

Ein Unterschied in der geistlichen Haltung

Dieses betonte Pronomen unterstreicht, dass die Furcht der Frauen anderer Natur ist als die der Wächter. Die Wächter sind von einem profanen Schrecken ergriffen, dem Schrecken vor dem Unbekannten und bedrohlich Übernatürlichen. Die Frauen dagegen befinden sich in ehrfürchtiger Scheu — in der Scheu dessen, der dem Heiligen gegenübersteht —, aber sie suchen Jesus. Gerade dieser Schritt des Glaubens rechtfertigt das „was euch betrifft“: Sie verdienen ein Wort, während die Wächter keines empfangen.

Eine Aufwertung des Zeugnisses der Frauen

Matthäus betont dieses „ihr“, weil es diese Frauen sind — und nicht die männlichen Jünger, die abwesend sind —, die als Erste die Osterbotschaft empfangen. Der Engel bezeichnet sie ausdrücklich als die Empfängerinnen der Botschaft. Ihnen wird gesagt, sie sollen hingehen und die Auferstehung verkündigen (V. 7). Das betonte Pronomen hat also auch eine missionarische Funktion: Ihr sollt die ersten Zeuginnen und die ersten Gesandten sein.

Zusammengefasst: Dieses kleine Wort bündelt die ganze Umkehrung der Szene: Wo die mächtigen Wächter zusammenbrechen, empfangen die zerbrechlichen und treuen Frauen die gute Botschaft. Es ist eine typisch matthäische Rhetorik der Umkehrung durch das Evangelium.

Muss man daraus zwingend schließen, dass sie die versteinerten Soldaten gesehen haben?

Nein, dieser Schluss ist nicht zwingend — und es ist eine berechtigte exegetische Frage.

Was der Text tatsächlich sagt

Matthäus 28.2-4 beschreibt das Herabkommen des Engels, das Wegrollen des Steins und das Niederfallen der Wächter. Dann, in Vers 5, wendet sich der Engel an die Frauen. Der Text sagt nicht ausdrücklich, dass die Frauen die Soldaten in diesem Zustand gesehen haben.

Zwei mögliche Lesarten

1- Sie haben die Wächter gesehen — das ist möglich, wenn man annimmt, dass die Szene gleichzeitig oder nahezu gleichzeitig ablief: Die Frauen kommen an, die Wächter liegen noch am Boden, und das „was euch betrifft“ des Engels bezieht sich auf das, was sie selbst vor Augen haben. Der Unterschied wäre dann sichtbar und unmittelbar.

2- Sie haben die Wächter nicht gesehen — das ist ebenso vertretbar. Der Kontrast des „was euch betrifft“ kann rein rhetorisch und erzählerisch sein, gebildet für den Leser des Evangeliums und nicht für die Frauen selbst. Der Engel würde dann zwei Gruppen von Menschen angesichts des Übernatürlichen einander gegenüberstellen, ohne dass die Frauen notwendigerweise Zeuginnen des Sturzes der Soldaten gewesen sein müssten.

Was die griechische Syntax entscheidet — und was nicht

Das betonte Pronomen ὑμεῖς zeigt einen starken Kontrast an, doch es legt nicht fest, auf welcher Grundlage dieser Kontrast wahrgenommen wird. Es kann sich ebenso um einen Kontrast der Erfahrung handeln (die Frauen sehen die Wächter) wie um einen Kontrast geistlicher Art (die Jesus-Suchenden gegenüber den gleichgültigen Wächtern), den der Engel kennt, der aber nicht notwendigerweise vor den Frauen in Szene gesetzt wird.

Fazit

Der Text lässt die Annahme zu, dass die Frauen die versteinerten Soldaten gesehen haben, schreibt sie aber nicht vor. Das eine oder das andere zu behaupten, hieße über das hinauszugehen, was Matthäus schreibt. Eine ehrliche Exegese muss diese Mehrdeutigkeit bestehen lassen.